Lehre / Forschung

Molekulare Psychiatrie

Molekulare Ursachen psychischer Störungen
 
Psychische Störungen gehören aktuell zu den größten Herausforderungen für das Gesundheitssystem - und die Tendenz für die Zukunft ist steigend. Trotz intensiver Forschung sind die molekularen Mechanismen psychischer Erkrankungen nur unzureichend bekannt. Dadurch ergeben sich wesentliche Nachteile in der Behandlung affektiver Störungen. Fast alle heute in der Klinik eingesetzten Psychopharmaka folgen Wirkungsprinzipien, die vor Jahrzehnten formuliert wurden. Es besteht deshalb dringender Bedarf nach einem besseren Verständnis der Entstehung psychischer Krankheiten. Daraus sollen neue, bessere Therapien resultieren.
 
Arbeitsgruppe Molekulare Psychiatrie
 
In der Arbeitsgruppe Molekulare Psychiatrie unter der Leitung von
Prof. Dr. med. Dragos Inta untersuchen wir molekulare und zelluläre Mechanismen, welche in der Pathophysiologie von Psychosen beziehungsweise von Schizophrenie und affektiven Störungen involviert sind. Dabei fokussieren wir uns einerseits auf die Untersuchung von Störungen des Glutamatsystems, der Hirnentwicklung und der neuronalen Plastizität in der Genese dieser Erkrankungen, andererseits auf alternative Psychopharmaka mit innovativem Wirkmechanismus.
 
Die Bedeutung von glutamatergen Mechanismen
 
Glutamaterge Mechanismen spielen sowohl in der Entstehung von Psychosen als auch von affektiven Störungen eine wichtige Rolle. Wir untersuchen in pharmakologischen und in genetischen Tiermodellen die Rolle verschiedener Glutamatrezeptoren (NMDA-, AMPA-, mGlu5 Rezeptoren) und die Wirkmechanismen von etablierten Substanzen wie Ketamin, aber auch von neuen Substanzen mit therapeutischen Potenzial (Rapastinel/Glyx-13, CTEP). Im Rahmen von Kollaborationen mit anderen Forschungsgruppen wie dem ERA-NET NEURON Konsortium NMDAR-PSY, das von Dragos Inta koordiniert wird, verfolgen wir einen multidisziplinären und translationalen Forschungsansatz. Dabei zielen wir auf eine korrelative Analyse im Tiermodell im Vergleich zum Patienten mit den entsprechenden Erkrankungen. Eine andere Forschungsrichtung, die wir verfolgen, bezieht sich auf der Untersuchung der Rolle von Störungen der «späten», postnatalen Neurogenese in der Genese von psychiatrischen Erkrankungen, bei denen eine Hirnentwicklungsstörung wahrscheinlich ist, wie dem Autismus und der Schizophrenie. Sowohl eigene Daten im Mausmodell, als auch neue Ergebnisse bei Menschen, beweisen auch nach der Geburt eine viel weitläufigere Neubildung von spezifischen GABAergen Neuronen als früher angenommen wurde. Ein besonders spannendes Ergebnis ist, dass die Neurogenese im Striatum, einer für die Entstehung von Schizophrenien bedeutende Hirnregion, lebenslang stattfindet. Wir untersuchen dabei die Rolle solcher spezifischen Neuronen, wie denen de die Calleja-Inseln bilden, in dopaminergen Störungen assoziiert mit dem Ausbruch einer Schizophrenie.
 
Ausgewählte Publikationen
 
Lang E, Mallien AS, Vasilescu AN, Hefter D, Luoni A, Riva MA, Borgwardt S, Sprengel R, Lang UE, Gass P, Inta D. Molecular and cellular dissection of NMDA receptor subtypes as antidepressant targets. Neurosci Biobehav Rev. 2017 Aug 23. 
 
Vasilescu AN, Schweinfurth N, Borgwardt S, Gass P, Lang UE*, Inta D*, Eckart S* (2017) Modulation of NMDA receptors activity as a novel treatment option for depression: Current clinical evidence and therapeutic potential of Rapastinel (GLYX-13). Neuropsychiatr Dis Treat 13:973-980.  
 
Inta I, Domonkos E, Pfeiffer N, Sprengel R, Bettendorf M, Lang UE, Inta D*, Gass P* (2017) Puberty marks major changes in the hippocampal and cortical c-Fos activation pattern induced by NMDA receptor antagonists. Neuropharmacology 112:181-187. 
 
 Inta D, Lang UE, Borgwardt S, Meyer-Lindenberg A, Gass P (2016) Adult neurogenesis in the human striatum: possible implications for psychiatric disorders. Mol Psychiatry 21:446-44.
 
Inta D, Lima-Ojeda JM, Lau T, Tang W, Sprengel R, Schloss P, Sartorius A, Meyer-Lindenberg A, Gass P (2013). Electroconvulsive therapy induces neurogenesis in frontal rat brain areas. PLoS ONE 8:e69869.
 
Inta D, Alfonso J, von Engelhardt J, Kreuzberg M, Meyer AH, van Hooft JA, Monyer H (2008) Neurogenesis and widespread forebrain migration of distinct GABAergic interneurons from the postnatal subventricular zone. Proc Natl Acad Sci USA, 105:20994-20999.
 
Kontakt
Prof. Dr. med. Dragos Inta
Oberarzt, Leiter Arbeitsgruppe Molekulare Psychiatrie
Qentbf.Vagn@hcxof.pu

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